Schulgeschichte

Das berufliche Schulwesen am Standort Ebingen blickt auf eine lange Geschichte zurück, die in der 1988 herausgegebenen Jubiläumsschrift "Aus der Geschichte des beruflichen Schulwesens in Albstadt (1853 - 1988)" hervorragend dokumentiert ist. Unter den Autoren dieser Schrift finden sich zwei Lehrer unserer Schule: der im Jahr 2000 verstorbene langjährige Fachabteilungsleiter des Wirtschaftsgymnasiums, Studiendirektor Wilhelm Conzelmann, und Oberstudienrat Wolfgang Rödler, Geschichtslehrer und derzeit Vorsitzender des Personalrates der Walther-Groz-Schule.

Demnach gibt es diese Schule als selbstständige kaufmännische Schule seit 1913. Sie wurde unter der Bezeichnung "Handelsschule" als kaufmännische Abteilung der Gewerblichen Fortbildungsschule geführt, in der die kaufmännischen Lehrlinge ihre Berufsschulpflicht zu erfüllen hatten. Das Schulgremium, das dafür vom Gemeinderat gebildet worden war, hieß "Gewerbeschulrat" und wurde später zum "Handelsschulrat", dem u. a. der Fabrikant Adolf Groz angehörte, der jüngste Sohn des Firmengründers von "Theodor Groz & Söhne" und somit der Vater von Walther Groz.

Bereits 1926 kam es zu einem Einrichtungsbeschluss durch den "Handelsschulrat" für eine "Höhere Handelsschule für die Mittlere Reife". Aber erst am 5. März 1938 verfügte der damalige "Kultminister": "Die Errichtung einer höheren Handelsschule (Mittelstufe mit Vorklasse) in Ebingen wird genehmigt."

Diese Höhere Handelsschule mit Vorklasse, die von guten ehemaligen "Volksschülern" besucht werden konnte, war fast drei Jahrzehnte lang das "Flaggschiff" der kaufmännischen Schule. Ihre Absolventen hatten den Mittleren Bildungsabschluss und gleichzeitig eine so hervorragende Allgemein- und kaufmännische Grundbildung, dass sie von den Firmen bevorzugt eingestellt wurden. Sie wurde erst 1969 von der zweijährigen kaufmännischen Berufsfachschule ohne Vorklasse abgelöst, der so genannten "Wirtschaftsschule" , die es bis heute bei uns gibt.

Aus der "Handelsschule" für die kaufmännischen Lehrlinge war unterdessen längst die "Kaufmännische Berufsschule" geworden, an der es so genannten Kontoristenklassen und Verkäuferklassen gab. Die Schule führte inzwischen die Bezeichnung "Kaufmännische Berufs- und Höhere Handelsschule Ebingen".

Bereits in den Fünfzigerjahren stellte sich mit zunehmender Schülerzahl das Raumproblem, hatte doch die Schule keine eigenen Räume, sondern war in der heutigen Hohenberg-Schule, also im alten Gymnasium, untergebracht.
                        Noch in der Trägerschaft der Stadt Ebingen wurde 1960 endlich ein großzügiger Schulneubau in zentraler Lage Ebingens und gleichzeitig in Bahnhofnähe beschlossen, der am 22. September 1965 eingeweiht wurde und bis heute unser Schulgebäude darstellt. Wegen seiner auffallenden Höhe und der Querlage zur Ost-West-Achse wurde ihm später der Name "Talsperre" verpasst - ein Name, den sich unsere Schülerzeitung zu eigen gemacht hat.

Mit dem Neubau waren jetzt die räumlichen Voraussetzungen für die Angliederung einer "Wirtschaftsoberschule" an die Kaufmännische Berufs- und Höhere Handelsschule Ebingen erfüllt. Die Wirtschaftsoberschule nahm mit dem Bezug des Neubaus im September 1965 ihren Lehrbetrieb auf und war damit nach Reutlingen und Ravensburg der dritte Standort für diese Schulart in Südwürttemberg-Hohenzollern.

An der Wirtschaftsoberschule (ab 1967 "Wirtschaftsgymnasium" ) konnte zunächst nur die fachgebundene, nicht die volle Hochschulreife erworben werden. Dies wurde aber bereits ab dem Schuljahr 1972/73 für diejenigen Schüler möglich, die die Voraussetzung der zweiten Fremdsprache schon erfüllten oder am WG erwarben. Inzwischen gibt es am Wirtschaftsgymnasium nur noch die Allgemeine Hochschulreife.                            



Mit dem Hinzukommen jeder weiteren Schulart war der Name der Schule komplizierter geworden. Deshalb wurde allgemein begrüßt, dass Anfang der Achtzigerjahre aus der "Kaufmännischen Berufs- und Berufsfachschule mit Wirtschaftsgymnasium" die "Kaufmännische Schule Albstadt" wurde. In der Bevölkerung hatte sich allerdings für unsere Schule längst die Bezeichnung "das WG" herausgebildet, obwohl dieses nur eine der vier Schularten war, die sich unter dem Dach und der Leitung der Kaufmännischen Schule Albstadt befanden.

Der Strukturreformbeschluss des Kreistages vom 16. Dezember 2001 hat die Schullandschaft der Beruflichen Schulen des Zollernalbkreises erheblich verändert. Im Zuge dieser Reform wurde 2003 die Wilhelm-Kraut-Schule (Kaufmännische Schule) Balingen aufgelöst, und zwei Schularten von dort kamen nach Albstadt. In Albstadt gibt es nun fünf kaufmännische Schularten.
                
Auf Antrag unserer Schulgremien fasste der Kreistag am 15. Juli 2002 einstimmig den Beschluss, der Schule den Namen Walther-Groz-Schule - Kaufmännische Schule Albstadt zu geben. Mit dieser Namensgebung würdigen Schule und Schulträger eine herausragende Persönlichkeit von Stadt und Raumschaft Albstadt, wie aus der vorstehenden kurzen Biographie Walther Groz zu ersehen ist.

 


Im Schuljahr 2007/2008 wurde das schulische Spektrum der Walther-Groz-Schule durch eine weitere Schulart abgerundet: das Kaufmännische Berufskolleg I. Bereits im ersten Jahr überstieg die Nachfrage das Angebot von 32 Plätzen bei weitem. Das BK I richtet sich in erster Linie an Schüler, die nach Erreichen des mittleren Bildungsabschlusses eine berufsorientierte Qualifizierung im kaufmännischen Bereich anstreben.